Eignet sich Peak Shaving für Ihren Betrieb? Vier Tests.
Nicht jeder Betrieb profitiert gleich. Vier konkrete Eignungstests trennen die guten Kandidaten von denen, bei denen sich der Aufwand nicht lohnt. Wir bestehen darauf, das früh und ehrlich zu klären: Wenn Ihr Betrieb nicht passt, sagen wir das im ersten Telefonat. Niemand hat etwas davon, wenn ein Speicher in einer Halle steht, die er nicht zurückzahlt.
- 01Test 1 ist die Stromrechnung: RLM-Zähler, Leistungspreis ausgewiesen, Anteil über 20 Prozent. Drei Werte, dreissig Sekunden.
- 02Test 2 ist die Spitzenform: Kurze hohe Spitzen sind ideal. Breite Plateaus brauchen größere Speicher. Reine Dauerlast ohne Spitzen scheidet aus.
- 03Test 3 ist die Regelmäßigkeit: Täglich wiederkehrende Spitzen sind das Optimum. Zufällige Einzelereignisse führen zu Überdimensionierung.
- 04Test 4 ist der Standort: 5 bis 20 m² Fläche, ausreichende Anschlussleistung, vertretbare Klima- und Brandschutzbedingungen. Meist trivial, manchmal Showstopper.
Die Stromrechnung als Eintrittskarte.
Der erste Test braucht nichts außer Ihrer letzten Schlussrechnung. Drei Fragen entscheiden, ob die weitere Prüfung Sinn macht oder nicht. Bei drei klaren Ja gehen Sie weiter zu Test 2. Bei einem klaren Nein an einer dieser Stellen sind Sie für Peak Shaving heute der falsche Kandidat.
Frage eins: Sind Sie RLM-Kunde? Auf der Rechnung steht eine Position mit dem Wort „Leistung“ im Namen, ausgewiesen in Euro pro kW. Falls nicht, sind Sie SLP-Kunde unterhalb der 100.000-kWh-Schwelle und zahlen keinen separaten Leistungspreis.
Frage zwei: Macht der Leistungspreis über 20 Prozent der Stromkosten aus? Rechnen Sie das Leistungsentgelt durch die Stromkostensumme. Liegt der Anteil unter 15 Prozent, ist der Hebel zu klein. Liegt er über 25 Prozent, sind die Einsparpotenziale meist vierstellig bis fünfstellig pro Jahr.
Frage drei: Liegt die Jahresspitze über 100 kW? Unter 100 kW ist die absolute Einsparung zu klein, um die Speicher-Fixkosten zu rechtfertigen. Über 200 kW ist der Hebel praktisch immer messbar. Im Korridor zwischen 100 und 200 kW lohnt die genauere Analyse.
Vier Spitzenformen – nur zwei passen wirklich gut.
Die Form Ihrer Lastspitze ist wichtiger als ihre Höhe. Eine 200-kW-Spitze, die 12 Minuten dauert, ist ein anderes wirtschaftliches Profil als eine 200-kW-Spitze, die zwei Stunden dauert. Die folgende Typologie sortiert nach Eignung, beginnend mit dem Idealfall.
Kurze hohe Spitze (10 bis 30 Minuten)
Das Idealprofil. Anfahrspitzen morgens, Wiedereinschaltung nach Pause, kurzer Maschinenstart. Der Speicher liefert die Energie genau in der Spitzenstunde und lädt sich danach über Stunden gemächlich wieder voll. Bestes Wirtschaftlichkeitsprofil.
Wiederkehrendes Plateau (30 bis 90 Minuten)
Längere Phasen erhöhter Last, z.B. durch volle Schichtauslastung über eine Stunde. Der Speicher muss größer dimensioniert werden, was die Investition erhöht. Wirtschaftlich tragend, aber mit längerer Amortisation.
Sporadische Einzelereignisse
Spitzen, die nur 5 bis 15 mal im Jahr auftreten, etwa durch Sonderchargen oder Außentemperatur. Der Speicher muss groß dimensioniert werden, wird aber selten benutzt. Wirtschaftlich grenzwertig, oft besser durch organisatorische Maßnahmen abzufangen.
Dauerlast ohne klare Spitzen
Flaches Lastband bei kontinuierlicher Produktion. Es gibt keine Spitzen, die sich kappen ließen. Die Jahresspitze ist nur wenige Prozent über dem Mittelwert. Peak Shaving wirkungslos. Hier sind andere Hebel relevant.
Regelmäßigkeit und Standort – die unterscheidenden Details.
Test 3 · Regelmäßigkeit: Ein Speicher, der jeden Tag arbeitet, schreibt sich schnell ab. Ein Speicher, der nur 15 Tage im Jahr arbeitet, braucht mehr Spitzenpreis-Reduktion pro Ereignis, damit sich die Investition rechnet. Prüfen Sie im Lastgang: Wie oft treten Spitzen über 90 Prozent der Jahreshöchstlast auf? Bei mehr als 30 Ereignissen pro Jahr ist das Profil ideal. Bei unter 10 Ereignissen schwierig.
Test 4 · Standort: Ein gewerblicher Batteriespeicher braucht zwischen 5 m² (Wandschrank-Variante für 60 kWh) und 20 m² (Container für 250 kWh) ebenerdige Aufstellfläche. Die Umgebungstemperatur sollte 35°C nicht dauerhaft überschreiten, sonst leidet die Zelllebensdauer. Brandschutz nach VdS-Empfehlung mit Abstand zu Überhitzungsquellen, idealerweise eigener Brandabschnitt. In den meisten Betrieben ist das trivial. Manchmal nicht.
Wenn der Standort der Engpass ist
Wir sehen drei Konstellationen, in denen der Standort zum Showstopper wird: zu enge Halle ohne Außenfläche, Trafostation ohne Erweiterungsplatz, oder ein Brandabschnitt, der durch Ergänzung neu zertifiziert werden müsste. In allen drei Fällen lohnt es sich, die Standortfrage vor der Wirtschaftlichkeitsrechnung zu klären.
Was wir Ihnen ehrlich abraten würden.
Sie sind SLP-Kunde unter 100.000 kWh. Sie haben keinen separaten Leistungspreis, also keinen Hebel für Peak Shaving. Wer Ihnen trotzdem einen Speicher verkauft, baut auf andere Wünsche, nicht auf den Leistungspreis. Wir würden Ihnen abraten und Ihnen stattdessen empfehlen, die Standardlastprofil-Optimierung über den Lieferanten zu prüfen.
Ihr Lastprofil ist eine reine Dauerlast. Sie produzieren rund um die Uhr mit gleichbleibender Auslastung. Die Spitze liegt nur wenige Prozent über dem Mittelwert. Hier lässt sich praktisch nichts kappen. Wer Ihnen einen Speicher verkauft, verkauft Ihnen eine Lösung für ein Problem, das Sie nicht haben.
Ihre vermeidbare Einsparung liegt unter 4.000 Euro pro Jahr. Hier übersteigen die Implementierungs- und Wartungskosten den Nutzen. Wir empfehlen in diesem Fall, die Spitze durch organisatorische Maßnahmen (Schichtversatz, sequenzieller Start) anzugehen. Das kostet nichts und holt typischerweise 5 bis 15 Prozent heraus.
Fragen, die aus diesen Tests auftauchen.
Welche Aufstellräume taugen, welche nicht?
„Können wir den Speicher in den Trafoanbau stellen?“
Anforderungen an Fläche, Temperatur, Brandschutz, Anschlusswege. Mit Beispielen für positive und negative Aufstellungssituationen.
Artikel folgtWas passiert, wenn Ihre Spitze in zwei Jahren um 30 Prozent steigt?
„Wir planen eine Erweiterung. Muss der Speicher schon das mitkalkulieren?“
Wie ein Speicher modular wachsen kann, wann eine Neuinvestition nötig wird, und wie konservative Dimensionierung aussieht.
Artikel folgtWelche Brandschutzauflagen gelten für gewerbliche Lithium-Speicher?
„Wird unsere Versicherung das überhaupt mitmachen?“
VdS-Empfehlung, DIN VDE 0510, Abstandsregeln, Brandfrüherkennung. Was Sie vor dem Kauf schriftlich klären lassen sollten.
Artikel folgtWie versichern Sie einen Batteriespeicher korrekt?
„Ist das ein eigener Versicherungsfall oder läuft das über die Gebäudeversicherung?“
Trennung zwischen Gebäude-, Maschinen- und Cyberversicherung. Typische Prämien, welche Klauseln Sie vor Anschaffung prüfen lassen sollten.
Artikel folgtWie läuft eine Eignungsprüfung bei uns konkret ab?
„Was passiert nach unserem ersten Anruf?“
Schritt-für-Schritt-Ablauf von Erstgespräch bis zur Eignungsantwort. Was wir brauchen, was wir liefern, in welcher Zeit.
Artikel folgtWas, wenn Peak Shaving nicht passt – welche Alternativen bleiben?
„Wir scheiden aus. Was sollten wir stattdessen tun?“
Organisatorisches Lastmanagement, Lieferantenwechsel, Sondertarife nach §19 StromNEV. Drei alternative Pfade für nicht-passende Betriebe.
Artikel folgtSie wollen ehrliche Antwort in 24 Stunden?
Schicken Sie uns Ihre letzte Schlussrechnung und einen Lastgang, falls vorhanden. Wir antworten innerhalb eines Werktags, ob Ihr Betrieb für Peak Shaving passt oder nicht. Wenn nicht, sagen wir es Ihnen klar – mit Begründung und Alternativen.