Der Leistungspreis: Warum Ihr Gesamtverbrauch irrelevant ist und eine einzige Spitze Tausende Euro kostet

Viele Unternehmen versuchen, ihren Stromverbrauch zu reduzieren, wundern sich aber, warum ein wesentlicher Kostenblock davon unberührt bleibt: der Leistungspreis. Das liegt an einem verbreiteten Missverständnis. Der Leistungspreis richtet sich nicht nach dem Gesamtverbrauch, sondern nach einer einzigen, maximalen Leistungsspitze im Jahr. Wer seine Stromkosten wirklich senken will, muss diese Lastspitzen kontrollieren.

Die 15-Minuten-Falle: Wie ein einziger Spitzenwert Ihre Jahreskosten festlegt

Unternehmen mit einem Jahresverbrauch über 100.000 kWh werden über eine registrierende Leistungsmessung (RLM) abgerechnet. Ein RLM-Zähler misst nicht nur die verbrauchte Energiemenge in Kilowattstunden (kWh), sondern auch die abgerufene Leistung in Kilowatt (kW). Und zwar in jedem 15-Minuten-Intervall.

Der für die Jahresrechnung entscheidende Wert ist die Jahreshöchstlast. Das ist der höchste Durchschnittswert der Leistung, der in einem einzigen 15-Minuten-Fenster des gesamten Jahres gemessen wurde. Dieser Wert, auch wenn er nur ein einziges Mal auftritt, legt die Basis für den Leistungspreis der kommenden zwölf Monate fest.

Ein Beispiel aus der Praxis.

Ein Produktionsbetrieb startet morgens mehrere große Maschinen gleichzeitig. Für knapp 20 Minuten entsteht eine zusätzliche Leistungsaufnahme von 150 kW. Der RLM-Zähler erfasst das.

  • Gemessene Jahreshöchstlast: 150 kW
  • Angenommener Leistungspreis: 120 € pro kW und Jahr (€/kW/a)
  • Zusätzliche Jahreskosten allein durch diese Spitze: 150 kW * 120 €/kW = 18.000 €

Ein einmaliger Vorgang von 20 Minuten kostet das Unternehmen 18.000 € extra für das gesamte Jahr. An den restlichen 364 Tagen kann passieren, was will – solange dieser Spitzenwert nicht überschritten wird, ändert sich nichts.

Was kostet Sie die Spitze? Typische Leistungspreise in Deutschland

Der Leistungspreis ist ein Kernbestandteil der Netzentgelte. Er variiert je nach Region und Netzbetreiber erheblich. Die genaue Höhe steht im Preisblatt Ihres Netzbetreibers. In der Praxis bewegen sich die Kosten für die Jahreshöchstleistung in Deutschland meist zwischen 60 € und 180 € pro Kilowatt (kW) pro Jahr.

Für einen Mittelständler mit einer Jahreshöchstlast von 300 kW bedeutet das jährliche Kosten allein für den Leistungspreis zwischen:

  • Untere Spanne: 300 kW * 60 €/kW = 18.000 € pro Jahr
  • Obere Spanne: 300 kW * 180 €/kW = 54.000 € pro Jahr

Jede Reduzierung der Jahreshöchstlast, selbst um wenige Kilowatt, führt also zu einer direkten und spürbaren finanziellen Einsparung.

Das Rechenbeispiel, das alles ändert: Gleicher Verbrauch, 12.000 € Unterschied

Der Irrglaube, die Senkung des Gesamtverbrauchs beeinflusse den Leistungspreis, lässt sich am besten mit einem direkten Vergleich widerlegen. Nehmen wir zwei ansonsten identische Betriebe mit exakt gleichem Jahresstromverbrauch. Der eine steuert seine Lasten, der andere nicht.

Betrieb A: Ungesteuertes Lastprofil

  • Jahresstromverbrauch: 400.000 kWh
  • Jahreshöchstlast (Spitze): 200 kW (entsteht durch gleichzeitigen Betrieb von Maschinen)
  • Angenommener Leistungspreis: 120 €/kW/a
  • Berechnung der Leistungskosten: 200 kW * 120 €/kW = 24.000 €

Betrieb B: Gesteuertes Lastprofil

  • Jahresstromverbrauch: 400.000 kWh
  • Jahreshöchstlast (Spitze): 100 kW (Maschinenanläufe werden zeitlich versetzt)
  • Angenommener Leistungspreis: 120 €/kW/a
  • Berechnung der Leistungskosten: 100 kW * 120 €/kW = 12.000 €

Beide Unternehmen haben exakt die gleiche Menge Strom verbraucht. Trotzdem zahlt Betrieb A jedes Jahr 12.000 € mehr, nur weil seine Leistungsspitzen unkontrolliert auftreten. Es ist also nicht der Gesamtverbrauch, der über die Höhe Ihres Leistungspreises entscheidet. Es ist die Jahreshöchstlast. Punkt.

Die einzige Lösung: Warum Lastspitzenkappung der direkte Weg zur Kostensenkung ist

Wenn das Problem eine kurzzeitige, hohe Leistungsspitze ist, dann ist die Lösung, genau diese Spitze zu vermeiden. Klassische Effizienzmaßnahmen wie der Austausch von Leuchtmitteln senken zwar den Gesamtverbrauch (den Arbeitspreis), haben aber auf die Jahreshöchstlast oft kaum einen Einfluss.

Wirksam zur Reduzierung des Leistungspreises ist daher nur ein aktives Lastmanagement. Die wichtigste Methode hierbei ist die Lastspitzenkappung (Peak Shaving). Ziel ist, den maximalen gleichzeitigen Leistungsbezug aus dem Netz zu begrenzen.

In der Praxis gelingt das am besten durch intelligente Steuerungssysteme oder den Einsatz von Batteriespeichern. Ein Speicher kann kurzfristig hohe Leistungsbedarfe abdecken, ohne dass diese Leistung aus dem Netz bezogen werden muss. Die Jahreshöchstlast wird so aktiv gekappt und der Leistungspreis direkt und planbar gesenkt.

Ihr erster Schritt zur Kontrolle: Die Lastganganalyse

Bevor man Maßnahmen ergreift, muss man wissen, wann und warum die eigenen Lastspitzen entstehen. Die Grundlage dafür ist eine Lastganganalyse. Diese Auswertung Ihrer 15-Minuten-Messdaten zeigt das exakte Verbrauchsprofil Ihres Betriebs und deckt die Kostentreiber auf. Erst auf dieser Basis lässt sich beurteilen, welches Einsparpotenzial tatsächlich vorhanden ist und welche Maßnahmen sich lohnen.

Sie möchten wissen, ob sich eine Reduzierung des Leistungspreises auch für Ihren Betrieb rechnet? Der erste Schritt ist immer eine fundierte Analyse.

Fordern Sie eine unverbindliche Lastganganalyse an, um Ihr konkretes Einsparpotenzial zu ermitteln.

Ratgeber teilen
Patrick Thoma
Patrick Thoma

Patrick Thoma ist Mitgründer von Leistungspreis-Senken.de und verantwortlich für Konzeption, Wirtschaftlichkeitsanalyse und Systemauslegung von Gewerbespeichern zur Lastspitzenkappung und Eigenverbrauchsoptimierung.
Seit über 25 Jahren arbeitet er im Maschinenbau und in der Solarindustrie. Gemeinsam mit seinem Team wurden Produktionsanlagen, Fertigungslinien und Energiesysteme für internationale Industrieunternehmen geplant und bewertet. Dieses technische Know-how fließt heute in die Analyse von Lastgängen, Peak-Shaving-Konzepten und Gewerbespeicherprojekten ein.
Der Fokus liegt dabei nicht auf dem Verkauf möglichst großer Speicher, sondern auf belastbaren Investitionsentscheidungen. Wenn sich ein System wirtschaftlich nicht rechnet, wird dies offen kommuniziert und schriftlich dokumentiert.