Teil03 / 06 · Hebel
Stand13. Mai 2026
Lesezeitcirca 9 Minuten
FunktionHebel

Warum Ihr Leistungspreis so hoch ist — und wie Sie ihn dauerhaft senken.

Der Leistungspreis ist der unsichtbare Hebel Ihrer Stromrechnung. Er wird nicht durch das gemessen, was Sie im Jahr verbrauchen, sondern durch eine einzige Viertelstunde. Wer diese Viertelstunde versteht, hat Zugriff auf den größten frei verhandelbaren Kostenblock seiner Stromabrechnung.

In Kürze · für eilige Leser
  • 01
    Der Leistungspreis macht bei RLM-Kunden 20 bis 40 Prozent der Stromrechnung aus — oft mehr als die Stromsteuer und alle Umlagen zusammen.
  • 02
    Bemessen wird er durch die höchste viertelstündige Lastspitze im gesamten Abrechnungsjahr. Eine einzige Stunde Unachtsamkeit kostet fünfstellig.
  • 03
    Die typischen Ursachen sind Anfahrvorgänge, gleichzeitig laufende Kälteanlagen und unkoordinierte Maschinenstarts. Selten ein einzelner Schuldiger.
  • 04
    Der wirksamste Hebel ist nicht Verzicht, sondern Lastspitzenkappung mit einem Batteriespeicher — ohne Eingriff in Ihre Produktion.
§ 01 / Diagnose

Was der Leistungspreis ist — und warum 15 Minuten über Tausende entscheiden.

Begriff Leistungspreis · auch Leistungsentgelt · Bemessungsgröße in EUR pro kW pro Jahr · ausschließlich bei RLM-Kunden (registrierende Leistungsmessung) ab circa 100.000 kWh Jahresverbrauch

Ihr Netzbetreiber schickt einen Zwischenzähler in Ihren Stromanschluss, der alle 15 Minuten den Durchschnittswert Ihrer abgenommenen Leistung protokolliert. Aus diesen Werten bildet sich Ihr Lastgang — eine fortlaufende Aufzeichnung, wie viel kW Ihr Betrieb in jeder Viertelstunde des Jahres gezogen hat.

Die Stromrechnung wird dann zweigeteilt. Ein Teil ist der Arbeitspreis: Cent pro kWh, multipliziert mit Ihrem Jahresverbrauch. Das ist der vertraute Teil. Der andere Teil ist der Leistungspreis: ein Eurobetrag pro kW, multipliziert mit dem höchsten Viertelstundenwert des gesamten Jahres.

Anders gesagt: Der Zähler beobachtet 35.040 Viertelstunden im Jahr und merkt sich nur eine einzige davon — die teuerste. Diese eine Viertelstunde bestimmt, was Sie zwölf Monate lang zahlen.

Warum diese Logik so teuer ist

Der Leistungspreis liegt in deutschen Mittelspannungsnetzen typischerweise zwischen 110 und 160 Euro pro kW und Jahr. Ein Betrieb mit einer Spitze von 600 kW zahlt also schnell 72.000 bis 96.000 Euro — allein für diese eine Kennzahl. Wer es schafft, seine Spitze um 100 kW zu reduzieren, spart 11.000 bis 16.000 Euro. Jedes Jahr. Ohne eine einzige Kilowattstunde weniger zu verbrauchen.

§ 02 / Ursachen

Drei typische Quellen, die fast jede Spitze verursachen.

Beobachtung In 80 Prozent der Lastganganalysen, die wir gesehen haben, lassen sich die teuersten Spitzen auf eine dieser drei Quellen oder eine Kombination zurückführen.

Lastspitzen entstehen selten zufällig. Sie folgen Mustern, die mit dem Betriebsablauf zusammenhängen. Wer die folgenden drei Quellen versteht, kann seine eigene Spitze meist schon vor der formalen Lastganganalyse grob lokalisieren.

01

Anfahrvorgänge großer Maschinen

Pressen, Spritzgussmaschinen, große Motoren und Drehbänke ziehen beim Hochfahren ein Vielfaches ihrer Dauerlast. Wenn mehrere Maschinen morgens gleichzeitig anlaufen, addieren sich diese Spitzen zu einem Wert, der die Tageskurve für das ganze Jahr definiert.

Typisch für Metallverarbeitung · Kunststoff · Holzindustrie · Bauteilfertigung
02

Parallel laufende Kälte- und Kühlanlagen

Wenn an einem heißen Sommertag mehrere Kompressoren gleichzeitig anspringen, weil die Sollwerte alle in derselben Viertelstunde unterschritten werden, entsteht ein Lastberg, der die Jahresspitze prägt. Das passiert oft genau dann, wenn auch die Produktion läuft.

Typisch für Lebensmittelproduktion · Kühlhäuser · Logistik · Bäckereien · Rechenzentren
03

Unkoordinierte Verbraucher in der Spitzenstunde

Ein Schweißroboter, der zeitgleich mit der vollen Produktionsschicht läuft. Ein Drucklufterzeuger, der sich genau dann zuschaltet, wenn die Klima­anlage hochfährt. Diese Gleichzeitigkeit ist selten Absicht — sie ist das Ergebnis fehlender Koordination zwischen unabhängigen Steuerungen.

Typisch für Mittelständische Industrie · Mischbetriebe · gewachsene Produktionsstätten
§ 03 / Rechenbeispiel

Eine 192-kW-Kappung, jedes Jahr 25.440 Euro — an einem konkreten Lastgang.

Modellbetrieb Metallverarbeiter in Bayern · 1,2 GWh Jahresverbrauch · Mittelspannung · 612 kW Jahresspitze · 132,50 EUR/kW Leistungspreis

Folgender Lastgang stammt aus einer realen, anonymisierten Analyse. Die Tagesspitze liegt bei 612 kW — verursacht durch zwei Anfahrphasen am Vormittag und am frühen Nachmittag. Wenn diese Spitze auf 420 kW gekappt wird, sinkt der Leistungspreis um 25.440 Euro pro Jahr.

Wirtschaftliche Rechnung

Spitze vorher612 kW
Spitze nach Kappung420 kW
Reduktion192 kW
Leistungspreis132,50 EUR/kW·a
Einsparung pro Jahr25.440 EUR
Abb. · Lastgang 24h · vorher und nach Kappung
§ 04 / Einordnung

Für wen sich das lohnt — und für wen eher nicht.

Faustregel Ab 100.000 kWh Jahresverbrauch und einem klar erkennbaren Spitzenmuster im Lastgang ist Peak Shaving meist wirtschaftlich darstellbar.

Wenn Ihr Betrieb RLM-Kunde ist, also über 100.000 kWh im Jahr verbraucht und einen Lastgangzähler hat, lohnt sich die genauere Betrachtung praktisch immer. Selbst bei moderaten Spitzen liegt der Leistungspreis in der Regel im fünfstelligen Bereich pro Jahr.

Wenn Ihr Betrieb dagegen ein fast konstantes Lastprofil aufweist — zum Beispiel ein Dauerbetrieb mit gleichmäßiger Auslastung über 24 Stunden —, ist das Einsparpotenzial geringer. Dann ist Peak Shaving zwar technisch möglich, aber wirtschaftlich oft nicht der erste Hebel.

Wenn Sie unter 100.000 kWh Jahresverbrauch liegen und einen SLP-Zähler haben (Standardlastprofil), zahlen Sie gar keinen Leistungspreis. Für Sie ist diese Seite nicht der richtige Ausgangspunkt — die Stromkostenoptimierung folgt dann anderen Regeln.

§ 05 / Detailfragen

Konkrete Fragen, die sich aus diesem Kapitel ergeben.

Branche

Wie hoch ist der Leistungspreis in der Metallverarbeitung?

„Was zahlen Wettbewerber meiner Größe — und was sagt das über meinen Wert?“

Branchen-Benchmarks aus realen Lastgängen. Spannweiten in Euro pro kW, typische Spitzenhöhen, Vergleich nach Betriebsgröße.

Artikel folgt
Vertrag

Wie verhandeln Sie Ihren Leistungspreis mit dem Netzbetreiber?

„Ist der Leistungspreis verhandelbar — oder nehmen wir, was kommt?“

Welche Spielräume es gibt, wo sie aufhören, und warum die meisten Verhandlungen am falschen Hebel ansetzen.

Artikel folgt
Sondertarif

Atypische Netznutzung nach §19 StromNEV — lohnt das für Sie?

„Es gibt da diese Reduktion über §19 — was heißt das konkret?“

Voraussetzungen, prozentuale Entlastung, Antragsweg. Und in welchen Fällen Peak Shaving die elegantere Lösung ist.

Artikel folgt
Historie

Wie hat sich der Leistungspreis in den letzten fünf Jahren entwickelt?

„Wird das günstiger? Oder muss ich jetzt handeln?“

Tarifentwicklung in deutschen Mittelspannungsnetzen, Treiber der Verteuerung, realistische Prognose für die nächsten Jahre.

Artikel folgt
Kontrolle

Wie prüfen Sie, ob Ihre Stromrechnung korrekt abgerechnet wurde?

„Stimmt überhaupt, was auf meiner Rechnung steht?“

Was Sie für die Eigenkontrolle brauchen, welche Posten oft fehlerhaft sind, und worauf Sie bei der jährlichen Schlussrechnung achten.

Artikel folgt
Regional

Warum zahlen baden-württembergische Betriebe oft mehr als bayerische?

„Warum sind unsere Netzentgelte so unterschiedlich verteilt?“

Regionale Unterschiede bei Netzentgelten und Leistungspreis. Was Sie an Ihrem Standort tun können, was nicht.

Artikel folgt
§ 06 / Nächster Schritt

Sie wollen wissen, was Ihr Leistungspreis Sie konkret kostet?

Schicken Sie uns Ihre Stromrechnung oder rufen Sie uns an. In 30 Minuten am Telefon ordnen wir Ihren Fall ein und sagen Ihnen, ob sich eine Lastganganalyse lohnt. Kostenfrei, ohne Folgeverpflichtung.

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Teil 04 · Ursachen erkennen

Sie wissen jetzt, warum der Leistungspreis hoch ist. Im nächsten Kapitel klären wir, welche konkreten Maschinen und Prozesse in Ihrem Betrieb die teuersten Lastspitzen verursachen — und wie viel Geld Sie dadurch jedes Jahr verlieren.