Was die Lastganganalyse zeigt, was Excel nicht zeigt.
Eine professionelle Lastganganalyse ist mehr als ein Maximumwert in einer Tabelle. Sie zerlegt 35.040 Viertelstundenwerte nach Mustern, Saisonalität, Spitzenhäufigkeit und Energie pro Spitze. Aus diesen Mustern ergibt sich die tatsächlich erreichbare Kappung und die passende Speichergröße. Beide Zahlen lassen sich aus dem Excel-Maximum allein nicht ableiten.
- 01Sie haben einen gesetzlichen Anspruch auf 12 Monate Lastgang als CSV. Der Messstellenbetreiber muss liefern, der Netzbetreiber stellt es im Portal bereit.
- 02Eine fundierte Lastganganalyse beantwortet vier Fragen: Welche Spitze ist real kappbar, wie viel Energie pro Spitze, wie häufig pro Jahr, in welcher Tageszeitlage.
- 03Aus diesen vier Antworten ergibt sich die Speicherdimensionierung in kWh und kW. Daraus ergibt sich die Investitionssumme und die Amortisationszeit.
- 04Für eine erste Einschätzung reicht Excel. Für die Investitionsentscheidung nicht, weil zu viele Wechselwirkungen zwischen Spitzenhäufigkeit, -dauer und -energie zu modellieren sind.
Wie Sie an Ihre 12 Monate Lastgang kommen.
Jeder RLM-Kunde hat das Recht auf seine eigenen Lastgangdaten. Geregelt ist das im Messstellenbetriebsgesetz. Sie müssen die Daten nicht erbitten, Sie müssen sie nicht kaufen, Sie müssen lediglich Ihren Messstellenbetreiber oder Netzbetreiber anschreiben oder das Online-Portal nutzen. In den meisten Fällen liegen die Daten innerhalb weniger Tage als CSV-Datei vor.
Die Datei enthält 35.040 Zeilen für ein Jahr, beziehungsweise 35.136 in einem Schaltjahr. Jede Zeile hat einen Zeitstempel (Anfang der Viertelstunde) und einen Leistungswert in kW. Manchmal kommt ein zweiter Wert dazu, der die Blindleistung beschreibt; für die Leistungspreis-Optimierung ist dieser zweite Wert nicht relevant.
Wichtig vor jeder Analyse: Prüfen Sie die Vollständigkeit. Fehlen mehr als ein paar einzelne Viertelstunden, sollten Sie nachfordern. Sind Werte erkennbar fehlerhaft (zum Beispiel negative Leistungen bei reinen Verbrauchern oder plötzliche Nullen mitten in der Schicht), klingelt das Telefon beim Messstellenbetreiber.
Was der Lastgang nicht enthält
Der Lastgang sagt Ihnen nicht, welcher Verbraucher die Spitze verursacht hat. Er sagt Ihnen nur, dass an einem bestimmten Datum zu einer bestimmten Uhrzeit ein bestimmter Wert anlag. Die Verknüpfung mit Maschinen, Schichtplänen und Außentemperaturen ist Aufgabe der Analyse, nicht der Rohdaten.
Vier Fragen, die eine ordentliche Analyse beantworten muss.
Wer eine Lastganganalyse bestellt, sollte sie mit den folgenden vier Fragen abgleichen. Wenn eine davon fehlt oder nur qualitativ beantwortet wird, ist die Analyse für eine Investitionsentscheidung nicht ausreichend.
Wie hoch ist die real kappbare Spitze?
Nicht jede Spitze lässt sich kappen. Einige Spitzen sind so kurz, dass ein Batteriespeicher sie elegant abfängt. Andere sind so lang, dass nur Lastmanagement greift. Die Analyse muss die kappbare Spitze von der bloss vorhandenen Spitze trennen.
Wie viel Energie pro Spitze?
Eine Spitze von 150 kW über 15 Minuten ist eine andere Welt als 150 kW über 90 Minuten. Aus der Energie pro Spitze ergibt sich die nötige Speicherkapazität in kWh. Diese Zahl ist häufig die wirtschaftlich kritische, nicht die kW-Zahl.
Wie häufig kommt die Spitze vor?
Eine einzige extreme Spitze pro Jahr ist anders zu behandeln als 60 wiederkehrende. Die Häufigkeit bestimmt, ob der Speicher täglich oder nur in Ausnahmefällen zykliert, und damit die Anforderungen an Zellenchemie und Garantie.
In welcher Tages- und Jahreszeit?
Spitzen am frühen Morgen lassen sich anders abfangen als Spitzen am Nachmittag. Sommerspitzen anders als Winterspitzen. Die Tageszeitlage entscheidet, ob eine PV-Anlage als Ergänzung sinnvoll ist und wie die Ladestrategie des Speichers aussehen muss.
Was eine echte Analyse zeigt – am Beispiel.
Das Excel-Maximum sagt: 480 kW. Die Analyse sagt mehr: Von diesen 480 kW sind 92 kW real kappbar. Die jeweilige Spitze dauert im Mittel 22 Minuten, der Energieinhalt pro Ereignis liegt bei etwa 34 kWh, das Ereignis tritt 41-mal im Jahr auf. Aus diesen Zahlen folgt eine Speichergröße von circa 100 kW Leistung und 120 kWh Kapazität mit deutlicher Reserve.
Erkenntnisse aus der Analyse
| Excel-Maximum | 480 kW |
| Real kappbar | 92 kW |
| Dauer je Ereignis | 22 min |
| Energie je Ereignis | 34 kWh |
| Ereignisse pro Jahr | 41 |
| Einsparung pro Jahr | 13.984 EUR |
Wann Excel reicht, wann der Experte nötig wird.
Für die erste Plausibilitätsprüfung reicht eine Tabellenkalkulation. Sie sortieren die 35.040 Zeilen nach Leistung absteigend, schauen sich die Top-200 an und gewinnen ein Bauchgefühl für Spitzenhöhe und Häufigkeit. Wer das eine Stunde durchzieht, hat eine grobe Vorstellung, ob ein Hebel da ist.
Für die Investitionsentscheidung reicht das nicht. Die Frage, ob 80 kW oder 110 kW Speicherleistung dimensioniert werden, kostet zwischen den beiden Varianten leicht 40.000 bis 60.000 Euro Investition. Ob die Kapazität 100 oder 140 kWh sein muss, entscheidet über Lebensdauer und Wartungskosten. Diese Entscheidungen erfordern eine saubere statistische Auswertung, die Excel nicht leisten kann.
Eine professionelle Analyse kostet bei seriösen Anbietern zwischen 1.500 und 4.500 Euro, je nach Datenmenge und Detailtiefe. Bei einem potenziellen Einsparpotenzial im fünfstelligen Bereich pro Jahr amortisiert sich das in einigen Wochen.
Fragen, die aus dieser Methode entstehen.
Wie fordern Sie 12 Monate Lastgang konkret an?
„Welcher Satz reicht, damit der Messstellenbetreiber liefert?“
Musterformulierung für die Anfrage, Rechtsgrundlage, was zu tun ist, wenn die Antwort sich verzögert. Realistische Lieferzeiten in deutschen Netzgebieten.
Artikel folgtWas bedeuten die Spalten in der CSV-Datei?
„Welche Zahl ist Leistung, welche Energie, welche Blindleistung?“
Aufbau einer typischen Lastgang-CSV. Zeitstempel, Wirkleistung, Blindleistung, Status. Was Sie behalten und was Sie löschen können.
Artikel folgtWie machen Sie eine erste Analyse in 30 Minuten?
„Welche Formeln und welcher Pivot reichen für den Schnellblick?“
Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Excel-Schnellanalyse. Top-100-Spitzen, Tageszeit-Histogramm, Wochentagsmuster. Mit fertiger Vorlage zum Download.
Artikel folgtWarum ist die Spitzendauer wichtiger als die Spitzenhöhe?
„Wir haben extrem hohe, aber kurze Spitzen – ist das gut oder schlecht?“
Wie die Spitzendauer die Speicherdimensionierung dominiert. Warum lange Spitzen teurer abzufangen sind als hohe kurze. Mit drei Fallbeispielen.
Artikel folgtWie behandelt eine Analyse Sommer- und Winterspitzen unterschiedlich?
„Wir haben zwei Maxima im Jahr. Welches zählt?“
Saisonale Zerlegung des Lastgangs. Warum eine Sommerspitze ein anderes Speicherprofil verlangt als eine Winterspitze. Wann beide separat zu betrachten sind.
Artikel folgtWie vergleichen Sie Angebote für eine Lastganganalyse?
„Eine Analyse kostet 1.500, eine andere 6.000 Euro – wo liegt der Unterschied?“
Worauf Sie im Angebot achten: Liefergegenstände, Methodik, Datenausgabe, Folgegespäch. Welche Posten essentiell sind und welche nicht.
Artikel folgtSie wollen Ihren Lastgang ehrlich auswerten lassen?
Schicken Sie uns Ihre CSV-Datei oder den Zugang zu Ihrem Netzbetreiber-Portal. Wir werten 12 Monate aus und schicken Ihnen eine schriftliche Antwort auf alle vier Kernfragen. Kostenfrei für RLM-Kunden ab 100.000 kWh, ohne Folgeverpflichtung.