Ab wann sich ein Peak-Shaving-Speicher wirklich rechnet.
Die kaufmännische Frage ist banal: Investition geteilt durch jährliche Einsparung ergibt die Amortisation. Die ehrliche Antwort ist unangenehm: Bei einem Mittelständler mit 200 kW Spitze und 18.000 Euro jährlicher Einsparung amortisiert sich ein 80.000-Euro-Speicher in 4,5 Jahren. Mit aktueller Förderung in 2 bis 3 Jahren. Wer keinen Speicher baut, zahlt über dieselben 10 Jahre 180.000 Euro drauf.
- 01Amortisationsformel: Investition / jährliche Einsparung. Typischer Korridor in 2026 ohne Förderung: 4 bis 7 Jahre. Mit Förderung: 2 bis 4 Jahre.
- 02Drei Schwellen entscheiden, ob sich die vertiefte Prüfung lohnt: mindestens 60 kW vermeidbare Spitze, mindestens 90 EUR/kW Leistungspreis, mindestens 5.000 EUR vermeidbarer Verlust pro Jahr.
- 03Im 10-Jahres-TCO schlägt der Speicher das Nichtstun in fast jedem RLM-Szenario. Der Trafo-Ausbau ist meist die teuerste Option, weil er die Spitze hebt, statt sie zu senken.
- 04Fünf Stellschrauben beeinflussen die Wirtschaftlichkeit: Speicherdimensionierung, Wirkungsgrad, Lastprofilstabilität, Tarifindexierung und sekundäre Erlöse (z.B. Eigenverbrauchsoptimierung).
Die Amortisationsrechnung ohne kaufmännischen Nebel.
Die robuste Amortisationsrechnung kennt drei Eingangsgrößen und eine Ausgabegröße. Eingang: Investitionssumme, jährliche Einsparung, Förderquote. Ausgabe: Amortisationszeit in Jahren. Optional ergänzt um Wartungskosten und Indexierung, was die Rechnung präziser, aber nicht wesentlich anders macht.
Im konkreten Fall sieht das so aus: 80.000 Euro Investition, 18.000 Euro Einsparung pro Jahr. Ohne Förderung ergibt das eine Amortisation von 4,5 Jahren. Mit der BAFA-Antragsfähigkeit für gewerbliche Speicher (Stand 2026 zwischen 20 und 30 Prozent) sinkt die Investition auf circa 60.000 Euro netto, die Amortisation auf 3,3 Jahre.
Die ehrliche Erweiterung der Rechnung sind die Wartungskosten. Ein gewerblicher Batteriespeicher kostet typischerweise 1 bis 2 Prozent der Investition pro Jahr an Wartung, Versicherung und Monitoring. Bei 80.000 Euro sind das 800 bis 1.600 Euro pro Jahr. Das verlängert die Amortisation um wenige Monate, nicht um Jahre.
Was die Rechnung nicht enthält
Ausgeklammert bleiben hier bewusst zwei Effekte: Erstens die Tarifindexierung, die jede zukünftige Verteuerung der Netzentgelte in eine zusätzliche Einsparung verwandelt. Zweitens mögliche sekundäre Erlöse aus Eigenverbrauchsoptimierung mit PV oder Teilnahme an Regelenergiemärkten. Beide Effekte verbessern die Wirtschaftlichkeit, gefallen aber kaufmännischen Skeptikern nicht. Diese Rechnung steht auch ohne sie.
Drei Schwellen, unter denen Sie nicht rechnen sollten.
Nicht jeder Betrieb ist ein Kandidat. Drei Schwellen lassen sich aus der Erfahrung mit mehreren hundert Lastganganalysen ableiten. Wer alle drei unterschreitet, sollte das Thema parken und beim nächsten Wachstumsschritt erneut prüfen.
Mindestens 60 kW kappbare Spitze
Unterhalb dieser Schwelle ist der Speicher zu klein dimensioniert, um die Fixkosten der Anlage zu rechtfertigen. Beachten: Nicht die Jahresspitze ist entscheidend, sondern der kappbare Anteil. 300 kW Spitze mit 30 kW Hebel reicht nicht.
Mindestens 90 Euro pro kW Leistungspreis
In manchen Netzgebieten liegt der Leistungspreis unter 90 Euro pro kW. Dort rechnet sich Peak Shaving deutlich schlechter, weil die Multiplikation niedrigere Werte ergibt. In den meisten deutschen Mittelspannungsnetzen liegt der Tarif über dieser Schwelle.
Mindestens 5.000 Euro vermeidbarer Verlust
Die Multiplikation aus A und B muss mindestens 5.000 Euro pro Jahr ergeben. Darunter sind die Implementierungs- und Wartungskosten relativ zu hoch. Darüber trägt sich die Investition praktisch immer in vertretbarer Zeit.
Zehn Jahre Total Cost of Ownership – drei Optionen im Vergleich.
Die ehrlichste Wirtschaftlichkeitsbetrachtung ist nicht die Amortisation, sondern der 10-Jahres-TCO im Vergleich zu den Alternativen. Wer Peak Shaving nicht macht, macht etwas anderes, oder gar nichts. Beides hat einen Preis. Die folgende Rechnung stellt die drei Optionen gegenüber: nichts tun, Trafo ausbauen, oder Speicher installieren.
TCO über 10 Jahre
| Option A · nichts tun | 96.500 EUR |
| Option B · Trafo-Ausbau | 142.000 EUR |
| Option C · Speicher | 38.000 EUR |
| Differenz A minus C | 58.500 EUR |
| Vorteil Speicher gegen Nichtstun | 60,6 % |
Fünf Stellschrauben, die die Amortisation verschieben.
Die Amortisationszeit ist kein Naturgesetz. Fünf Faktoren bestimmen, ob Sie am unteren oder oberen Rand des Korridors landen. Speicherdimensionierung: Zu groß ist teuer, zu klein nutzt die Spitzen nicht aus. Wirkungsgrad: Lithium-Eisenphosphat ist heute bei 92 bis 94 Prozent Round-Trip, schlechtere Systeme bei 85 Prozent – das ist ein Achtel der Einsparung.
Lastprofilstabilität: Wenn Sie planen, in zwei Jahren eine zusätzliche Maschine zu installieren, muss der Speicher das einkalkulieren. Sonst ändert sich der Hebel. Tarifindexierung: Die meisten Speicherprojekte werden mit Heute-Tarifen gerechnet. Eine ehrliche Rechnung indexiert die Netzentgelte um 4 bis 5 Prozent pro Jahr nach oben, was die Einsparung kumulativ deutlich erhöht.
Sekundäre Erlöse: PV-Eigenverbrauchsoptimierung, Notstromfunktion, Teilnahme an Regelenergiemärkten. Nicht jeder Betrieb hat alle drei, aber wer einen davon hat, sollte ihn in die Rechnung aufnehmen. Die Amortisation sinkt erfahrungsgemäß um weitere 6 bis 18 Monate, je nach Konfiguration.
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Artikel folgtSie wollen die Amortisation für Ihren Fall sehen?
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