Teil05 / 06 · Messung
Stand13. Mai 2026
Lesezeitcirca 9 Minuten
FunktionMessung

Wie viel Geld Sie jedes Jahr durch nicht gekappte Spitzen verlieren.

Die Formel ist ein Dreisatz, die Zahlen sind unbequem. Ein Mittelständler mit 200 kW Jahresspitze und 130 Euro pro Kilowatt zahlt 26.000 Euro Leistungspreis im Jahr. Etwa 20 bis 30 Prozent davon sind in den meisten Fällen vermeidbar. Über zehn Jahre kumuliert ergibt das einen sechsstelligen Betrag, der nichts an Ihrem Betrieb verbessert hat, sondern einfach abfließt.

In Kürze · für eilige Leser
  • 01
    Die Verlustformel ist trivial: Jahresspitze in kW × Leistungspreis in EUR/kW × Vermeidbarer Anteil. Drei Werte, ein Ergebnis.
  • 02
    Für 80 kW Spitze ergibt ein Hebel von 25 Prozent rund 2.600 Euro pro Jahr. Für 450 kW Spitze liegt derselbe Hebel bei 15.300 Euro pro Jahr.
  • 03
    Über zehn Jahre rechnet sich das auf 150.000 bis 250.000 Euro hoch, weil Netzentgelte tendenziell steigen und neue Maschinen die Spitze weiter nach oben drücken.
  • 04
    Der vermeidbare Anteil liegt bei den meisten Betrieben zwischen 20 und 35 Prozent der heutigen Spitze. Mehr ist möglich, weniger ist die Ausnahme.
§ 01 / Formel

Drei Werte aus Ihrer Rechnung – und der Verlust steht da.

Drei Werte Jahresspitze in kW · Leistungspreis in EUR pro kW · angenommene Reduktion in Prozent

Die ganze Rechnung steht und fällt mit drei Zahlen. Die erste finden Sie auf Ihrer Netzabrechnung unter Bezeichnungen wie Jahreshöchstlast, Bemessungsleistung oder HT-Maximum. Die zweite steht in derselben Abrechnung unter Leistungspreis, Leistungsentgelt oder kW-Preis. Die dritte ist der angenommene Hebel, also der Anteil der Spitze, der sich mit einer Peak-Shaving-Lösung kappen lässt.

Für die dritte Zahl gilt eine konservative Faustregel: 25 Prozent sind in fast jedem Betrieb mit ausgeprägten Anfahrspitzen erreichbar, ohne in die Produktion einzugreifen. Wer ein flacheres Lastprofil hat, kommt eher auf 15 bis 20 Prozent. Wer harte Anlaufspitzen bei hochfrequenten Schichten hat, oft auf 30 bis 40 Prozent.

A

Jahresspitze (kW)

Die höchste Viertelstundenleistung des Abrechnungsjahres. Steht auf der Schlussrechnung des Netzbetreibers, ist im Lastgang das Maximum aller 35.040 Viertelstundenwerte.

Faktor 1 gegeben durch Lastprofil
B

Leistungspreis (EUR pro kW pro Jahr)

Der tarifliche Preis des Netzbetreibers pro Kilowatt Bemessungsleistung. Liegt in deutschen Mittelspannungsnetzen typischerweise zwischen 95 und 165 Euro pro kW und Jahr.

Faktor 2 gegeben durch Netzgebiet
C

Vermeidbarer Anteil (Prozent)

Der realistisch kappbare Anteil der Spitze ohne Eingriff in die Produktion. Faustregel: 25 Prozent. Untergrenze 15 Prozent bei flachen Profilen, Obergrenze 40 Prozent bei harten Anlaufspitzen.

Faktor 3 variabel je Betrieb
§ 02 / Szenarien

Drei Betriebsgrößen, drei reale Verluste.

Annahme Vermeidbarer Anteil 25 Prozent · Leistungspreis 130 EUR pro kW · ohne Indexierung · Stand 2026

Drei Beispielbetriebe in drei Größenklassen. Alle drei verlieren Jahr für Jahr Geld, ohne dass ihre Produktion etwas davon merkt. Der vermeidbare Verlust skaliert linear mit der Spitze, der Leistungspreis bleibt gleich. Die folgende Tabelle zeigt das in einer Zeile pro Größenklasse.

Drei Größenklassen im Vergleich

Klein · 80 kW2.600 EUR / a
Mittel · 200 kW6.500 EUR / a
Mittelgroß · 450 kW14.625 EUR / a
Groß · 900 kW29.250 EUR / a
Verlust über 10 Jahre · 450 kW146.250 EUR
Abb. · Vermeidbarer Verlust pro Jahr
§ 03 / Kumulation

Was zehn Jahre Nichtstun tatsächlich kosten.

Trend Netzentgelte in deutschen Verteilnetzen · durchschnittlich plus 4 bis 6 Prozent pro Jahr seit 2022 · Prognose Bundesnetzagentur bis 2030: stabil oberhalb 5 Prozent

Die Jahreszahl täuscht, weil sie statisch wirkt. In Wahrheit steigt der Leistungspreis tendenziell schneller als die allgemeine Inflation. Der Netzausbau, die Integration erneuerbarer Energien und die regulatorische Spreizung zwischen Netzgebieten drücken den Tarif langfristig nach oben. Wer heute 130 Euro pro kW zahlt, zahlt 2030 vermutlich 160 bis 180 Euro.

Wenn man diesen Trend mit einer fortschreitenden Spitze kombiniert – weil neue Maschinen, höhere Produktion oder ein zusätzlicher Kompressor die Last weiter nach oben drücken –, wird aus dem statischen Verlust ein dynamischer. Aus 14.625 Euro pro Jahr in der 450-kW-Klasse werden bei moderater Annahme in zehn Jahren 180.000 bis 220.000 Euro kumulierter Verlust. Bei aggressiver Indexierung darunter, eher darüber.

Die andere Lesart desselben Vorgangs: Wenn Sie heute den Hebel bauen, ist jede Verteuerung der Netzentgelte in der Zukunft eine weitere Einsparung für Sie, nicht eine Verteuerung. Ein gekappter Lastgang skaliert mit dem Tarif. Eine nicht gekappte Spitze auch – nur in die andere Richtung.

§ 04 / Einordnung

Welche Schwellen im eigenen Fall zählen.

Faustregel Ab 5.000 EUR vermeidbarem Verlust pro Jahr lohnt die Lastganganalyse. Ab 15.000 EUR ist die Speicher-Investition meist gerechtfertigt.

Nicht jeder Verlust rechtfertigt jede Maßnahme. Es gibt drei Schwellen, die in der Praxis robust sind. Die erste Schwelle liegt bei circa 5.000 Euro vermeidbarem Verlust pro Jahr. Darunter lohnt eine professionelle Lastganganalyse meist nicht; darüber fast immer.

Die zweite Schwelle liegt bei circa 15.000 Euro pro Jahr. Hier trägt sich ein dimensionierter Batteriespeicher als reines Peak-Shaving-Asset wirtschaftlich, selbst ohne Förderung. Mit Förderung verschiebt sich diese Schwelle nach unten.

Die dritte Schwelle ist nicht monetär, sondern strategisch: Ab welchem Verlust ist es für Ihren Cash-Flow unangenehm, ihn weiter zu tragen? Diese Schwelle ist betriebsspezifisch. Manche Unternehmen ziehen bei 8.000 Euro pro Jahr die Reissleine, andere erst bei 25.000 Euro.

§ 05 / Detailfragen

Fragen, die direkt aus dieser Rechnung entstehen.

Methode

Wie schätzen Sie den vermeidbaren Anteil realistisch?

„25 Prozent klingt nach Bauchgefühl. Was steht hinter der Zahl?“

Wie sich der vermeidbare Anteil aus Lastgangform, Anlaufdauer und Lastdichte ableiten lässt. Inklusive zweier Korrekturmethoden für aussagefähigere Schätzungen.

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Benchmark

Wie hoch ist Ihr Leistungspreis im Branchenvergleich?

„Sind unsere 132 EUR pro kW eigentlich teuer?“

Spannweite der Leistungspreise nach Netzgebiet und Spannungsebene. Wo Sie stehen, wenn Ihr Wert im obersten Quartil oder unterhalb des Medians liegt.

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Indexierung

Wie stark steigen Netzentgelte in den nächsten fünf Jahren?

„Lohnt es sich, jetzt zu rechnen, oder warte ich die nächste Tarifrunde ab?“

Bundesnetzagentur-Prognosen, regionale Verteilnetzkosten, realistische Bandbreiten 2026 bis 2030. Was das für Ihren Verlust kumuliert bedeutet.

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Wachstum

Wie wirkt sich eine neue Maschine auf den Leistungspreis aus?

„Wir bauen eine zweite Halle. Was passiert mit der Spitze?“

Methode zur Spitzenprognose vor einer Erweiterung. Wann der Anbau seine Spitze in die Anfahrstunde der Bestandsproduktion legt und wann nicht.

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Rechnen

Welcher kleine Rechner hält einer professionellen Analyse stand?

„Wir wollen die Zahl selbst prüfen, bevor wir uns auf Berater verlassen.“

Excel-Modell mit drei Tabs, Eingabewerte, Sanity-Checks. Welche Annahmen Sie tauschen sollten, welche Sie unberührt lassen.

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Vergleich

Wie verhält sich der Verlust zur Investitionssumme?

„Wenn der Verlust so hoch ist – wie teuer wäre die Lösung?“

Investitionsklassen für Batteriespeicher, typische Amortisationszeiten, Bandbreite je nach Spitze und Region.

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§ 06 / Nächster Schritt

Sie wollen Ihren Verlust auf Ihre Daten rechnen?

Schicken Sie uns Ihre Schlussrechnung oder den Lastgang Ihres Netzbetreibers. Wir rechnen Ihren konkreten Verlust durch und schicken Ihnen das Ergebnis mit allen Annahmen offen schriftlich zurück. Kostenfrei und ohne Folgeverpflichtung.

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Teil 06 · Lastganganalyse

Sie wissen jetzt, wie viel Geld jährlich verloren geht. Im nächsten Teil schauen wir genauer hin: Wie eine professionelle Lastganganalyse aufgebaut ist, was sie kostet, und welche Informationen sie liefert, die ein Excel-Modell nicht sehen kann.